
| Continuo con Salterio |
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| Geschrieben von: Karl-Heinz Schickhaus |
| Donnerstag, 16. Oktober 2008 um 20:44 |
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"Der nie genug zu rühmende Pantaleon Hebenstreit" – so nennt Telemann seinen Eisenacher Kapelldirektor – spielte 1705 vor Louis XIV., der dem großen, von Hebenstreit für das künstlerische Spiel nutzbar gemachten Hackbrett den Namen "Pantaleon" gab. Bachs Amtsvorgänger im Thomaskantorat Johann Kuhnau nennt 1717 das "Pantalonische Ceimbal" ein "nächst dem Claviere vollkommenes Instrument". "Wenn man fürnemlich ein Bass-Clavem anschlägt, so klingt er ... wie einer, der auf der Orgel gehalten wird, und lassen sich die vielen Passagien und Resolutiones der Dissonantien mit größter Wollust des Gemüths absolviren, ehe er gänzlich verschwindet", schwärmt Kuhnau und fährt fort: " Wenn man aber in Akkorden harpeggiret, welches hier, weil das Instrument von grosser etendue ist, auf das vollstimmigste geschehen kann, so gehet das liebliche Sausen der Harmonie ... bis ins Leben hinein."
Von den 51/2 Oktaven umfassenden Silbermann-Pantaleons der 1720er Jahre ist keines erhalten. Ein Prototyp dazu könnte das Hackbrett der vorliegenden Aufnahme sein, das der bedeutende holländische Geigenbauer des 17. Jahrhunderts, Hendrik Jacobs, 1692 in Amsterdam mit einem Umfang von C bis e3 verfertig hat. H. Fleischer sprach schon 1942 in seiner Schrift über den Hebenstreit-Schüler Binder die Vermutung aus, das Pantaleon könnte als Generalbaßinstrument Verwendung gefunden haben. Otto Kades "Katalog der Musikalien des Großherzoglich Mecklenburg-Schweriner Fürstenhauses" von 2893 erwähnt das "Pantaleon, ein von Hebenstreit 1689 erfundenes, dem Cymbal (Art Hackbrett) ähnliches Saiteninstrument, von dessen herrlicher Klangfarbe der Hofkapellmeister Fux in Wien so entzückt war, daß er es nur schwerlich im Orchester zu vermissen mochte". 1783 zählt Johann Joseph Klein in seinem "Lehrbuch der praktischen Musik" zu den vornehmsten Generalbaßinstrumenten Klavier und Orgel, zu denen, die nicht so gewöhnlich sind Harfe, Laute, Gambe und Hackbrett.
Der vortreffliche Bach besaß die dritte im höchsten Grade." Dafür ist Lorenz Mizler Zeuge. Er schreibt in der "Neu eröffneten Musikalischen Bibliothek", Leipzig 1739: "Wer das delicate im General-Bass und was sehr wohl accompagniren heißt, recht verstehen will, darf sich nur bemühen unsern Herrn Capellmeister Bach allhier zu hören, welcher einen jeden General-Bass zu einem Solo accompagnirt, dass man denket, es sey ein Concert, und wäre die Melodey so er mit der rechten Hand machet, schon vorhero also gesetzet worden". An Musik der Generalbaß-Epoche bot sich uns vor allem die von Antonio Vivaldi an. 1706 kaufte Vivaldi für das von ihm musikalisch geleitete Conservatorio einen Salterio für 5 Dukaten 6 Grossi, ein Preis, der seinem Monatssalär von 1704 entsprach. "In Venedig wurde er oft von den Schülerinnen des Ospedale della Pietà geübt", hei´es bei Rinaldi, "Il Teatro Musicale di Antonio Vivaldi". 1724 verwendet Vivaldi den Salterio in seiner Oper "Il Giustino", melodisch und akkordisch. Im Waltherschen Lexikon steht auch: "Salterio tedesco ist nichts anderes als ein Hackebret". Der "deutsche Psalter" wurde in Italien im 18. Jahrhundert auch Saltero genannt, im 17. Jahrhundert Dulcemelo. (In England heißt das Instrument heute noch Dulcimer.) Dolcemelo + Flauto dolce – aus dieser Wortverwandtschaft kam die Idee, die Blockflötensonaten als Intermedien zwischen die Kantaten zunehmen. Der geneigte Hörer möge vor diesem Hintergrund unsere Auffassung vom barocken Continuospiel verstehen. Karl-Heinz Schickhaus Aus dem CD-Booklet "Continuo con Salterio" |
| Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, 16. Oktober 2008 um 21:12 |