
| Piezas de Salterio |
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| Written by Karl-Heinz Schickhaus |
| Thursday, 16 October 2008 20:47 |
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Die älteste europäische Darstellung des Psalterium-Hackbrett-Typus ist in Santiago de Compostela in Spanien zu sehen: seit dem Jahr 1184 schmückt sie den von Meister Mateo geschaffenen Portico de la Goria, das Mittelportal der Kathedrale. Seit dem 8. Jahrhundert war Spanien von den Mohammedanern besetzt, die ihre Instrumente, darunter Laute, Rebec, Kanon, auf den europäischen Kontinent brachten. Diese Instrumete sind heute noch in islamischen Ländern in Gebrauch, ab dem 12. Jahrhundert sind sie in der europäischen Kunst nachzuweisen. Zu den bedeutendsten Quellen zählen die Cantigas de Santa Maria, um 1280 von König Alfonso X. gesammelte und wohl zum Teil selbst verfasst, die uns Instrumente zu deren Ausführung zeigen, darunter Psalterien verschiedener Form. Gespielt wurde diese Instrumente zu Tanz und Gottesdienst, trotz der Verbote, die wohl nicht so oft wiederholt worden wären, hätte man sich immer danach gerichtet. So geben gerade Darstellungen der himmlischen Orchester gute Information von den irdischen Orchestern. Der Psalter blieb bis gegen Ende des 18.Jahrhunderts eines der beliebtesten Instrument in Spanien. Ein spanischer Mönch brachte ihn um 1780 nach Mexiko, wo Salterio heute noch in der Unterhaltungsmusik zu finden ist. Ein beredtes Zeugnis von der Beliebtheit gibt die Instrumentenschule des Pablo Minguet y Irol, die u.a. "Reglas y advertencias generales para taner el Psalterio" enthält. Den Hintergrund für den Druck einer Unterweisung von 1754 und den Nachdruck von 1774 bildet eine reiche, allerdings nur handschriftlich vorhandene Literatur, darunter eine in der Biblioteca Nacional in Madrid befindliche Handschrift aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, die zwölf nachträglich numerierte "Piezas de Salterio" und ein nicht numeriertes Menuett enthält. Den umfänglichsten Teil der Handschrift machen unter Nr. 6 zwölf Sonaten aus, die wie alle anderen Nummern bis auf eine, keinen Hinweis auf den Komponisten haben. Nur soviel steht fest, daß alle Sonaten, wie auch das Divertimento h-Moll, die Nummer 8 der Handschrift, aus einer Feder stammen, nicht nur schreib-, sondern auch kompositionstechnisch. Die Sonaten sind dreisätzig, die Sätze bis auf einen zweiteilig. Während die Satzfolge mehr oder weniger schnell – langsam – schnell der klassischen Anlage entspricht, sind die Sätze abweichend von der klassischen Form Exposition – Durchführung – Reprise " in forma bipartita", also zweiteilig, ohne Durchführung und Reprise, komponiert. Domenico Scarlatti scheint Pate zu stehen. Gegen Ende eines recht freien, "arabesken" zweiten Teils rascher Sätze klingt das Anfangsthema in der Tonika lediglich in neun von 24 Fällen wieder an, so in den Ecksätzen der Sonata VIII, im 3. Satz der Sonata IX, auch im Divertimento h-Moll. Zwar steht das zweite Thema im ersten Satz der Sonata VIII nach klassischer Vorstellung regelrecht in der Dominante, die Abweichung davon ist indes häufiger anzutreffen. So steht das erste Thema im ersten Satz der Sonate V in der Dur-Parallele der Dominante, im ersten Satz der Sonate IX in der Tonika. Die ausdrucksstarken langsamen Sätze verlassen die Ausgangstonart der Sonate nur in sechs Fällen, um zweimal in die entferntere Oberquarte, dreimal in die Moll-Paralelle (wobei der zweite Teil des Adagio der Sonate IX ind der Grundtonart der Sonate F-Dur steht!) und einmal in die Dur-Paralelle zu gehen. Sechs Sonaten bleiben über alle Sätze auf dem Grundton, in zwei Dur-Sonaten wechselt der zweite Satz zum gleichnamigen Moll, zwei stehen ganz in Moll, so die Sonata V. Die vorliegende Einspielung ist in Salterio-tedesco-Manier mit zwei Schlägeln ausgeführt, was eine farbige Darstellung mit Holz-, Filz- und verschieden hartem und weichem Lederanschlag ermöglicht. |
| Last Updated on Thursday, 16 October 2008 22:04 |